Deutscher Schäferhund · FCI-Nr. 166

Der Rücken ist keine Geschmacksfrage.

Bei kaum einer anderen Rasse wird so viel über ein Aussehen gestritten. Dabei lässt sich der strittige Punkt messen — in Grad.

Gesunder Deutscher Schäferhund im Stand von der Seite, gerade Rückenlinie, moderate Winkelung der Hinterhand, vor stahlgrauem Himmel und ockerfarbenem Feld
Ein Schäferhund im Stand: gerader, fester Rücken, moderate Winkelung, beide Hinterläufe tragen. So sah die Rasse aus, als sie als Gebrauchshund gezüchtet wurde.
Eine Rasse, zwei Richtungen

Aus einem Hund sind zwei geworden

Der Deutsche Schäferhund ist eine der bekanntesten und vielseitigsten Gebrauchshunderassen der Welt. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Rasse allerdings in zwei Richtungen entwickelt: in die Hochzucht- oder Showlinie auf der einen Seite und in die Arbeits- und DDR-Linien auf der anderen.

Der Unterschied ist keine Nuance und keine Frage der Vereinszugehörigkeit. In der Showzucht wurde eine stark abfallende Rückenlinie und eine immer stärkere Winkelung der Hinterhand züchterisch übertrieben. Genau das steht seit Jahren in der Kritik, weil es Anatomie, Gesundheit und Gebrauchsfähigkeit der Rasse betrifft.

Was daraus folgt

Eine Linie, die den Gang verändert

Eine stark abfallende Kruppe und extreme Winkelungen der Hinterhand sind anatomisch nicht funktional. Sie beeinträchtigen den natürlichen Bewegungsablauf, sie führen zu einer ineffizienten Kraftübertragung, und sie belasten die Wirbelsäule ebenso wie Hüft- und Kniegelenke übermäßig.

Damit ist die Übertreibung nicht länger Geschmackssache. Sie ist ein züchterisch verursachter Schaden im Sinne des Tierschutzgesetzes, und wird in einem Präventionsprogramm auch so bewertet.

Schematischer Vergleich zweier Schäferhund-Silhouetten: links eine gerade Rückenlinie mit moderater Winkelung, rechts eine stark abfallende Kruppe mit überwinkelter Hinterhand
Der Vergleich, um den es geht. Links die gerade, feste Rückenlinie mit moderater Winkelung. Rechts die abfallende Kruppe mit überwinkelter Hinterhand, deren Sprunggelenke tief stehen. Bewusst als Zeichnung: Es geht um den Verlauf einer Linie, nicht um das Porträt eines bestimmten Hundes.
Der Unterschied zum Streitgespräch

Ein Winkel lässt sich nicht diskutieren

Der entscheidende Punkt ist deshalb kein Urteil über einen Typ, sondern eine Messung: Die Lage der Kruppe wird als Winkel zur Waagrechten bestimmt, und für diesen Winkel gibt es eine Obergrenze. Wird sie überschritten, oder beeinträchtigt eine sichtbare Überwinkelung der Hinterhand die Bewegung, ist der Hund von der Zucht ausgeschlossen.

Das ist der ganze Unterschied zwischen einer Meinung und einem Befund. Über den Eindruck „schöner Hund“ lässt sich streiten. Über einen gemessenen und schriftlich festgehaltenen Winkel nicht.

Gesunder Deutscher Schäferhund im Trab über ein abgeerntetes Stoppelfeld, gerade obere Rückenlinie, raumgreifende Bewegung
Der Gang zeigt, was der Bau hergibt: raumgreifend, gleichmäßig, ohne dass die Hinterhand nachschiebt.

Ein gerader Rücken ist kein Stil. Er ist die Voraussetzung dafür, dass ein Hund sich ein Leben lang schmerzfrei bewegt. Deshalb wird bei dieser Rasse die Anatomie beurteilt, bevor über Zucht überhaupt gesprochen wird.

Studioporträt eines gesunden Deutschen Schäferhundes, sitzend, aufmerksamer ruhiger Ausdruck, stahlgrauer Hintergrund
Was man sieht: einen aufmerksamen, gesunden Hund. Was man nicht sieht: die Gelenke, die Netzhaut, das Rückenmark.
Was neben der Anatomie geprüft wird

Vier Untersuchungen, die niemand sehen kann

Der Deutsche Schäferhund ist mit Hüft- und Ellenbogendysplasie überdurchschnittlich belastet: beides schmerzhafte Gelenkerkrankungen. Deshalb wird beides geröntgt, und deshalb sind die Anforderungen an die Befunde in diesem Programm strenger angesetzt als vielerorts üblich.

Dazu kommt eine unheilbare, fortschreitende Erkrankung des Rückenmarks, die zu Lähmungen führt und für die die Rasse eine hohe genetische Veranlagung hat. Für sie gibt es einen Gentest, und er ist für jedes Zuchttier vorgeschrieben. Ein Träger darf verpaart werden, aber nur mit einem genetisch freien Partner. Dann erkrankt kein Nachkomme, und der gesunde Träger bleibt der Rasse als genetische Vielfalt erhalten.

Geprüft werden außerdem die Augen, wegen einer rassetypischen chronischen Hornhautentzündung, die unbehandelt zur Erblindung führt, und die Verdauung: Eine Bauchspeicheldrüsenschwäche, die trotz gutem Appetit zu starkem Gewichtsverlust führt, kommt bei dieser Rasse gehäuft vor.

Nach der Messung

Am acht Wochen alten Welpen ist nichts davon zu sehen

Kein Welpe zeigt, wie seine Kruppe mit zwei Jahren liegen wird. Keiner zeigt seine Gelenke, seine Netzhaut oder das Rückenmark. Alles, was auf dieser Seite steht, entscheidet sich bei den Elterntieren — Jahre bevor der Wurf geplant wird.

Sie müssen dafür keine Befunde lesen und auch nicht danach fragen. Ob die Elterntiere nach dem Programm dieser Rasse zuchttauglich befundet waren und ob die Verpaarung zulässig war, steht im Zertifikat des Welpen. Auf der Urkunde steht ein Kontrollcode: Den tippen Sie auf der ZEUS-Website ein und sehen selbst, ob das Zertifikat echt ist und zu diesem Hund gehört. Für Sie kostenlos.

Zertifikat prüfen

ZEUS-Siegel Zuchttauglich — Approved for Breeding
Ausgestellt wird dieses Siegel für das einzelne Zuchttier — für den Hund, an dem die Rückenlinie vermessen wurde, lange vor dem Wurf. Es ist die Voraussetzung: Nur aus zwei so befundeten Elterntieren kann ein qualzuchtfrei zertifizierter Welpe hervorgehen.

Andere Themen