Bei kaum einer anderen Rasse wird so viel über ein Aussehen gestritten. Dabei lässt sich der strittige Punkt messen — in Grad.
Der Deutsche Schäferhund ist eine der bekanntesten und vielseitigsten Gebrauchshunderassen der Welt. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Rasse allerdings in zwei Richtungen entwickelt: in die Hochzucht- oder Showlinie auf der einen Seite und in die Arbeits- und DDR-Linien auf der anderen.
Der Unterschied ist keine Nuance und keine Frage der Vereinszugehörigkeit. In der Showzucht wurde eine stark abfallende Rückenlinie und eine immer stärkere Winkelung der Hinterhand züchterisch übertrieben. Genau das steht seit Jahren in der Kritik, weil es Anatomie, Gesundheit und Gebrauchsfähigkeit der Rasse betrifft.
Eine stark abfallende Kruppe und extreme Winkelungen der Hinterhand sind anatomisch nicht funktional. Sie beeinträchtigen den natürlichen Bewegungsablauf, sie führen zu einer ineffizienten Kraftübertragung, und sie belasten die Wirbelsäule ebenso wie Hüft- und Kniegelenke übermäßig.
Damit ist die Übertreibung nicht länger Geschmackssache. Sie ist ein züchterisch verursachter Schaden im Sinne des Tierschutzgesetzes, und wird in einem Präventionsprogramm auch so bewertet.
Der entscheidende Punkt ist deshalb kein Urteil über einen Typ, sondern eine Messung: Die Lage der Kruppe wird als Winkel zur Waagrechten bestimmt, und für diesen Winkel gibt es eine Obergrenze. Wird sie überschritten, oder beeinträchtigt eine sichtbare Überwinkelung der Hinterhand die Bewegung, ist der Hund von der Zucht ausgeschlossen.
Das ist der ganze Unterschied zwischen einer Meinung und einem Befund. Über den Eindruck „schöner Hund“ lässt sich streiten. Über einen gemessenen und schriftlich festgehaltenen Winkel nicht.
Ein gerader Rücken ist kein Stil. Er ist die Voraussetzung dafür, dass ein Hund sich ein Leben lang schmerzfrei bewegt. Deshalb wird bei dieser Rasse die Anatomie beurteilt, bevor über Zucht überhaupt gesprochen wird.
Der Deutsche Schäferhund ist mit Hüft- und Ellenbogendysplasie überdurchschnittlich belastet: beides schmerzhafte Gelenkerkrankungen. Deshalb wird beides geröntgt, und deshalb sind die Anforderungen an die Befunde in diesem Programm strenger angesetzt als vielerorts üblich.
Dazu kommt eine unheilbare, fortschreitende Erkrankung des Rückenmarks, die zu Lähmungen führt und für die die Rasse eine hohe genetische Veranlagung hat. Für sie gibt es einen Gentest, und er ist für jedes Zuchttier vorgeschrieben. Ein Träger darf verpaart werden, aber nur mit einem genetisch freien Partner. Dann erkrankt kein Nachkomme, und der gesunde Träger bleibt der Rasse als genetische Vielfalt erhalten.
Geprüft werden außerdem die Augen, wegen einer rassetypischen chronischen Hornhautentzündung, die unbehandelt zur Erblindung führt, und die Verdauung: Eine Bauchspeicheldrüsenschwäche, die trotz gutem Appetit zu starkem Gewichtsverlust führt, kommt bei dieser Rasse gehäuft vor.
Kein Welpe zeigt, wie seine Kruppe mit zwei Jahren liegen wird. Keiner zeigt seine Gelenke, seine Netzhaut oder das Rückenmark. Alles, was auf dieser Seite steht, entscheidet sich bei den Elterntieren — Jahre bevor der Wurf geplant wird.
Sie müssen dafür keine Befunde lesen und auch nicht danach fragen. Ob die Elterntiere nach dem Programm dieser Rasse zuchttauglich befundet waren und ob die Verpaarung zulässig war, steht im Zertifikat des Welpen. Auf der Urkunde steht ein Kontrollcode: Den tippen Sie auf der ZEUS-Website ein und sehen selbst, ob das Zertifikat echt ist und zu diesem Hund gehört. Für Sie kostenlos.